Wir unterbrechen das reguläre Programm für breaking news: Nach langem Überlegen haben wir uns entschieden, Ilse Aigner (CSU) die Goldene Pixelgurke zu verleihen. Der Preis für hervorragende Leistungen im Bereich “Nicht-Verstehen des Internet” wurde damit zum zweiten Mal verliehen und hat eine würdige Preisträgerin gefunden.
Begründung
Zum einen honoriert die Jury, wie Frau Aigner es geschafft hat, so zu tun, als stünde das ganze Internet hinter ihr. Ihre Drohung, den Account zu löschen, hat jedoch mehr Spott als ernsthafte Reaktionen hervorgebracht und auch das endlose Warten auf ihren Austritt war eher amüsierter Voyeurismus als das Warten auf ein Zeichen des Datenschutz-Messias.
Mit der Löschung ihres Accounts hat Frau Aigner es geschafft, nicht zu mobilisieren. Beim internationalen (!) “Quit Facebook Day” am 31. Mai sind (genaue Zahlen stehen noch aus) vermutlich weniger als 40000 Mitglieder ausgetreten. Das ist, auf die aktiven Accounts umgerechnet, weniger als ein zehntel Promille. Studenten wissen, wovon ich rede.
Zum anderen war auf ihrem Profil, kurz vor der Löschung, eine interessante Diskussion um den Austritt entstanden. Frau Aigner hat an dieser Diskussion kaum teilgenommen, die Diskussion durch die Löschung mutwillig beendet und ihr keinen Anschluss gegeben. Warum gibt es auf ihrer Homepage kein Forum, in dem sie teilnimmt? Oder wenigstens ein Link zu einem inoffiziellen Forum, wo dieses Thema debattiert werden kann. Das eine oder andere sollten sich die althergebrachten Politiker ruhig mal von den Piraten abschauen!
Und deswegen: Die Goldene Pixelgurke geht an Ilse Aigner!
Anmerkung
Ja, die Debatte ist nicht einfach vom Tisch. Datenschutz und Facebook ist ein Problem. Aber was hat Ilse Aigner bisher bewegt? Nicht viel. Vielleicht ist aber auch ihr Ansatz der falsche. Auszug aus einem Interview mit The European:
The European: Wo liegt das generelle Problem mit diesen Internetdiensten?
Aigner: Manchen Nutzern ist nicht bewusst, dass vermeintliche Gratisangebote im Netz nicht wirklich kostenlos sind. Wir alle bezahlen mit der Preisgabe persönlicher Daten – ob das Name und Mailadresse sind, Fotos, Hobbys oder unsere privaten Kontakte. […]
Das generelle Problem mit diesen Internetdiensten liegt also auch beim Nutzer? Warum, liebe Frau Aigner, setzen Sie dann nicht beim Nutzer an? Warum gibt es auf ihrer Homepage ihren Lebenslauf als Download, aber nicht eine Anleitung, wie man die Datenschutzeinstellungen in Faceboook richtig nutzt? Warum gibt es bei den Links nur Verlinkungen zu langweiligen Seiten und nicht zu einem Artikel zum Thema Browser-Sicherheit?
Warum gibt es in Deutschland kein Schulfach Interneterziehung? Sogar Sascha Lobo fordert das schon seit gefühlten fünf Eiszeiten.
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Falk Ebert









Ich kann den Artikel nachvollziehen, möchte aber wie schon zuvor im Basic-Thinking-Blog anmerken, dass ich das ‘Bashing’ von Politikern, die zumindest relevante Probleme erkennen und an ihnen ansetzen für wenig sinnvoll halte.
Konkreter: Frau Aigner hat es tatsächlich geschafft eine Diskussion zu entfachen und auch gerade mit der höchstens symbolischen Aktion “ich trete aus Facebook aus” vergleichsweise viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zwischenzeitlich hat sogar CNN etwas über Frau Aigner auf der Homepage gehabt.
Nun mag man sicherlich fragen können, ob Sie bei dieser Aktion Luft nach oben hatte. Und da wird man wie bei fast allen Dingen bzgl. politischer Aktion sagen können – ja, natürlich.
Was ihr euch aber fragen solltet ist: Hätte Frau Aigner auch die Gurke bekommen, wenn Sie facebook niemals erwähnt hätte? Und was ist dann besser, eine Verbraucherschutzministerin, die bezüglich Internet nichts tut oder eine, die erkennt, dass Privatsphäre und Datenschutz eine ganz neue Relevanz erhalten werden und eben versucht zumindest Wind um diese Sache zu entfachen – fehlt ihrem Ressort doch das Gewicht und die Kompetenz für bspw. Gesetzgebungen in der Sache.
So gesehen würde ich mich mehr über ein paar lobende Worte und Vorschläge zu “wie könnte man das noch viel besser machen” freuen, als die etwas elitäre Einstellung, die viele Blog-Artikel zu diesem Thema hatten.
Was ist besser? Ein Politiker der nichts tut, oder ein Politiker, der das Falsche tut? Darf man Zensizensa nicht kritisieren, weil sie sich mit dem Pedobär angelegt hat?
Trotzdem hast du natürlich recht: Konstruktiv ist immer besser als destruktiv. Deshalb ein ernstgemeintes Angebot:
Wenn du einen wichtigen Politiker findest, der im Zusammenhang mit dem Internet eine gute Initiative oder großen Einsatz zeigt und ich werde darüber bloggen.
Grüße!
Ganz direkt: Ich meine, dass Frau Aigner das Ministeramt schädigt, wenn sie derartiges veranstaltet. Erstens ist ihre Zuständigkeit mE nicht gegeben, zweitens mischt sie sich in Sachen der Datenschutzbeauftragten offensichtlich ohne Rücksprache ein, drittens behauptet sie schlicht falsches (so etwa, Google hätte bei StreetView eine Zusage gemacht – die war bereits ein Jahr alt). Im übrigen kommt der Teilerfolg der Kampagne, wenn überhaupt aus den USA. Dort waren es zunächst Fachmedien wie TechCrunch, dann sickerte es langsam in die Presse und von dort in die Politik. Mit den deutschen Meinungsäusserungen, auch von Frau Aigner, wurde nichts gewonnen – ihre Darstellung in der tagesschau verdreht die Abfolge zu ihren Gunsten.
Das ist Polit-Klimbim, und solchen möchte ich durch Minister nicht sehen.
Vielen Dank für den Kommentar!
Ich möchte unsere Leser an dieser Stelle auch gern nochmal auf den entsprechenden Artikel (wie immer wirklich lesenswert) von dir hinweisen:
http://carta.info/25462/facebook-ein-zwischenruf/