Gastbeitrag: Wie man Menschen dazu bringt, freiwillig Werbung einzublenden

Wir freuen heute mal wieder einen Gastbeitrag auf Gefahrgut zu haben. Als Autorin ehrt uns dieses Mal Talinee, deren Blog wir schon vor einigen Wochen empfohlen hatten. Talinee ist 22 Jahre alt und wohnt in Hamburg. Was sie schreibt dreht sich größtenteils um Social Web und technische Innovationen mit Internetbezug. Wir finden: 1A. Wer mehr wissen möchte findet das auf ihrer About-Seite.

Allen Lesern und Social Media affinen Leuten können wir Talinee nun noch einmal ans Herz legen! Viele Dank vom Gefahrgut Team für den tollen Beitrag und Euch allen viel Spaß mit dem Artikel!

Ich beginne mal mit einer Frage an die Blogger unter euch. Würdet ihr ein Plugin installieren, dass alle Grafiken (sowohl Layout- als auch Inhaltsbilder) in Werbung verwandelt, sobald man auf einen Knopf drückt? Wohlgemerkt ohne übliche Vergütungen für Online-Werbung oder Affiliates oder irgendwas. Eher nicht, oder? Und an alle Leser: Würdet ihr einen solchen Knopf auf einem Blog drücken? Oder würdet ihr euch sogar ein Bookmarklet in den Browser holen, das per Klick auf jeglicher Seite, die ihr ansurft, alle Grafiken in Werbebanner ändert?

Klingt komisch, aber im Dezember 2009 haben über 4.000 (viertausend!) Blogger solch ein Plugin installiert. Und über 2,8 Millionen Klicks auf die vom Leser per Klick erzeugten Werbegrafiken wurden verbucht – in nur diesem einen Monat, denn länger ging das Schauspiel nicht.

Und die Ergebnisse vom Shop, einem Bekleidungsgeschäft das diese Kampagne initialisiert hat, sprechen für sich: 120% mehr Umsätze in den Läden und 150% mehr Umsätze im Online-Shop.

Als Mitarbeiterin einer Online-Agentur frage ich mich zwangsläufig: W-T-F? Wie bringt man Leute denn dazu?

Die Antwort

Die erste Antwort, dass diese Kampagne sich in Japan abspielte, mag bei dem ein oder anderen das übliche Klischee-Denken hervorrufen: Die sind sowieso ein bisschen verrückt, die Japaner. Aber nein, das ist nicht der eigentliche Witz. Der Clou ist nämlich, dass die Mode-Kette namens Uniqlo um die es hier geht, zum Jahresende eine besondere Promo-Aktion zusammen mit einem Gewinnspiel veranstaltet hat. Jeden Tag ein besonderes Produkt des Tages und außerdem On- und Offline Gewinnspiellose. Wenn man ein Gewinnlos hatte gab es Geld (zum Beispiel 10.000 Yen, also fast 100 Euro) oder online eine nette Tasche. Um diese Lose auch online vertreiben zu können, umwarb man Blogger, ein eingangs beschriebenes Widget zu installieren, dass alle Grafiken in – Lose! umwandelte. Die Besucher, sprich: Japaner, fanden diese Lose großartig, denn die Nieten führten zum Produkt des Tages und Gewinne waren Taschen. Bei jedem Gewinner mit einem Los des Blogs gewann auch der Blogger. Und was die Besucher freute, freute gleichermaßen die Blogger, denn dadurch klickten auch Feed-Abonennten auf ihre Blogs. Und wenn ein paar große Blogs das Widget gut finden und promoten, dann löst das eine schöne Welle aus und auch kleinere Blogs installieren fleißig das Widget, um sich Besucher auf die Seite zu locken.

Eine wie ich finde absolut geniale Idee, denn es gibt hier eigentlich keine Verlierer. Blogger freuten sich, Konsumenten freuten sich – und am meisten freute sich natürlich der Initiator der Kampagne.

6 Antworten zu „Gastbeitrag: Wie man Menschen dazu bringt, freiwillig Werbung einzublenden“


  1. 1 talinee Juni 22, 2010 um 12:20 pm

    Aaah, ihr musstet natürlich gleich DAS Bild einbinden :D Ich wusste, es würde mir irgendwann zum Verhängnis werden…

  2. 2 Johannes Korn Juni 22, 2010 um 12:24 pm

    Klingt ein bisschen nach klassischem Affiliate in neuem Gewand. Die Frage ist halt, wie hoch die dabei entstehenden Kosten sind. Aber sicher eine clevere Herangehensweise, denn am Ende ists wahrscheinlich für das Unternehmen rentabler.

  3. 3 Falk Ebert Juni 22, 2010 um 12:42 pm

    Also ich finde die Aktion sehr, sehr geil!

  4. 4 Christian Faller Juni 22, 2010 um 4:51 pm

    Von Uniqlo hab ich neulich noch eine andere coole Aktion gesehen. Vielleicht bald mehr dazu hier auf dem Blog ;-)

    Ach ja, die Nummer mit den Bannern ist natürlich genial!

  5. 5 Samuel Stelzer Juni 23, 2010 um 10:08 am

    Wirklich genial die Idee mit den Bannern. Und toller Gastbeitrag!

    Das Hintergrundlied im Video ist auch klasse :) “Ich bin zu spät…ich bin zu spät” Die Japaner die alten Deutschland Fans.


  1. 1 Wie man Menschen dazu bringt, freiwillig Werbung einzublenden « SMAG Imbiss Trackback zu Juni 22, 2010 um 3:00 pm

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