
Namensschilder – Visitenkarten – Häppchen. Letzte Woche war ich auf dem ersten Social Media Meetup, seit ich wieder in Stuttgart bin. Und wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet auf einer Veranstaltung des Landesjugendring die besten Vorträge zum Thema Social Media erleben durfte, die ich jemals gehört habe?
ExpertInnenaustausch Web 2.0
Die Veranstaltung war vom Landesjugendring für den Austausch von Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen aus Jugendverbänden und -ringen im Umgang mit diesem Socialweb-Zeugs geplant. Da ich schon seit längerem im Vorstand des Stadtjugendring Leinfelden bin und da auch ab und zu ein Auge auf unsere Facebook-Page werfe, war der Termin für mich Pflicht.
Wirklich viel habe ich mir davon dennoch nicht versprochen. Zu viele enttäuschende Twitnights, Social Media Clubs und ähnliche Selbstbeweihräucherungs-Treffen habe ich schon in Hamburg besucht. Umso überraschter war ich über die Vorträge bei dieser Veranstaltung:
Social Media mit Herzblut
Marc Boos, Online-Redakteur beim Deutschen Caritasverband hat den ersten Vortrag gehalten. Schon als er damit angefangen hat, nicht die Accounts der Caritas runterzubeten, sondern stattdessen den Fokus darauf zu legen, was damit passiert, hatte er mich. Weitere Punkte aus seinem Vortrag, die ich sofort unterschreiben würde:
- Social Media ist wie eine teure Spiegelreflex: Bietet fantastische Möglichkeiten, aber wenn man es nicht drauf hat, entstehen trotzdem Murks-Bilder.
- Bei der Caritas reden die Menschen. So haben zum Beispiel beim Blogprojekt “Mitten am Rand” Menschen Blogeinträge geschrieben, die sonst garantiert keine Stimme in unserer Gesellschaft hätten.
- Der wahre Erfolg von Social Media Aktionen lässt sich nicht leicht in Zahlen ausdrücken. So waren beispielsweise die Followerzahlen für den Account zum Blog bei Twitter moderat, jedoch wurden schlagartig unzählige Menschen auf die Aktion aufmerksam, als der Spreeblick-Blog (Leserzahlen bekannt) den Blog lobend erwähnt hat. Eine Autorin, die vorher absolut nichts mit Computern am Hut hatte, hat sich inzwischen mit einem eigenen Blog eine Stimme verschafft, die ARD ist so auf sie aufmerksam geworden.
- Die Digitalisierung der Kommunikation einer Institution funktioniert nur, wenn sie von oben unterstützt und von unten aufgebaut wird.
- Online-Kommunikation kann gegenüber Print unheimlich Geld sparen.
Der zweite Vortrag war von Elke Dischinger vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Rottenburg-Stuttgart. Sie hat den Facebook-Support für das Jugendforum³ vorgestellt. Mir hat schwer imponiert, wie sie offen darüber gesprochen hat, dass sie eigentlich gerne ein paar Fans mehr gehabt hätte und auch ein wenig vom Rücklauf – sowohl der Facebook-Fans, als auch der Projektteilnehmer – enttäuscht ist. Und das, obwohl die Facebook-Seite, meiner Meinung nach, wirklich nicht schlecht geführt ist. Das ganz große Ding, so der Tenor des Vortrags, war Facebook bei diesem Projekt nicht. Vermutlich lag es an den Rahmenbedingungen.
Den dritten Vortrag hat schließlich hat Floh Maier gehalten, der beim ejwue für Blogs, Twitter, Facebook, YouTube und Vimeo zuständig ist. Seine große Fachkenntnis und Begeisterungsfähigkeit sieht man schon am für den ejw geführten Social Media Blog. Und wenn man als Organisation so jemanden in seinen eigenen Reihen hat, kann man sich glücklich schätzen, denn dann entstehen Blogs mit dem notwendigen Maß an Anarchie, dann wird spannender Bewegtbild-Content zur richtigen Zeit geliefert, dann stimmt die Kommunikation und die Social Media-Kanäle florieren. Inzwischen haben die meisten lokalen evangelischen Jugendwerke eine eigene Facebook-Seite, lernen voneinander und halten so auch online den Kontakt zu den Mitgliedern.
Der Erfolg von Social Media
Im Prinzip sind die Erkenntnisse, die sich beim Treffen herauskristallisiert haben nicht neu. Und doch war es sehr schön, zentrale Thesen meiner Auffassung zum Thema Social Media nochmal durch Praxisbeispiele untermauert zu sehen:
- Social Media muss mit Herzblut gemacht werden.
- Nur die Kommunikation von Menschen und für Menschen funktioniert.
- Ohne minimalen Support durch höhere Instanzen geht es nicht.
- Ohne ein Quantum Anarchie geht es nicht.
…und dann wird Social Media zum Selbstläufer und trägt langsam, aber sicher zum Erfolg bei. Und da kann sich eine Deutsche Bahn auch mal gerne eine dicke Scheibe vom Ansatz der Caritas abschneiden.
Ich danke allen, die am Mittwoch vor Ort waren für den fruchtbaren Austausch und freue mich auf das nächste LJR-Treffen.
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Hi Falk,
zuerst mal vielen Dank für Dein Lob. Das macht Mut, denn die Caritas hat natürlich nicht die Power der DB. Aber die Verknüpfung von Menschen gehört zu unseren Kernkompetenzen, deshalb arbeiten wir momentan auch an unserer Caritas-Webfamilie. Da gibt es noch einige Hausaufgaben zu machen, aber im Hintergrund denken wir auch schon an neuen Social Media-Projekten herum. Demnächst sogar mit den Kollegen aus Österreich, Luxemburg und Südtirol bei einer EU-Lernpartnerschaft. Werde die kommenden Tage in unserem Blog mal darüber berichten: http://blog.caritas-webfamilie.de.
Und noch was: stay in contact!
Jo, wir bleiben in Kontakt.