Das Geheimnis von Money Boy

Moneyboy im Penthouse Stuttgart

Dreh den Swag auf! Den coolsten Werber unserer Zeit findet man möglicherweise in keiner Agentur, sondern Samstag Nachts im Club. Der 29-jährige Rapper erzeugt gerade mehr Buzz als die Sixt-Castor-Aktion, die Mario-Barth-Spots und das Grünen-Bashing der CSU zusammen. Von hier bis in die USA.

Und irgendwie passt das. Denn immerhin hat der Junge, vor seiner Rap-Karriere, Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien studiert. Was die Branche von Money Boy lernen kann und warum er genau den Nerv der Zeit trifft, wird im Folgenden erörtert.

Eintagsfliege oder Dauerswag?

Es ist leicht,  Money Boy als kurzfristiges Internet-Ding abzutun. So wie es auch bei Pro Sieben durchklingen sollte. Taff belehrt uns: “Es reicht nicht, im Internet ein Star zu sein. Zu einem Star gehört viel mehr dazu, als nur im Internet bekannt zu sein. ” Was scheinbar nicht bedacht wurde – dass in genau dieser Sekunde eine Fernsehsendung über ihn berichtet hat. Und dass er schon durch den gesamten Deutschsprachigen Raum getourt ist. Und die Radiosender ihn spielen. Und die verkauften T-Shirts. Zu denken, ein Internet-Phänomen hätte keine Auswirkungen auf die Offline-Welt ist absurd. Ich sag nur: Digitaler Spiegel.

Klar, niemand kann sagen, ob er in einem Monat noch Thema ist, aber immerhin hält er sich schon seit Oktober. Und das ist für eine gehypte Eintagsfliege eine mehr als beachtliche Zeit.

Google Trends zu Moneyboy

Social Media at its best

Der Grund, warum über Money Boy auf den Schulhöfen und auf dem Campus so viel geredet wird, ist seine dauernde Präsenz im Internet. Social Media at it’s best!

Die Social Media Kanäle Twitter (knapp 3000 Follower), Facebook (13000 Fans) und YouTube (7000 Abonnenten, 8 Millionen Zugriffe, obwohl er zeitweise gehackt war) bespielt der Swagger Rapper so sicher, dass jeder Social Media Berater vor Neid erblassen dürfte. Das Geheimnis des Erfolges? Kontinuität und Authentizität. Und die anderen drei Dinge, ohne die “Social” nicht geht.

Wer so offen mit seinen Fans umgeht, wird nicht nur mit Klicks und Abos belohnt, sondern auch mit etwas anderem, was das Internet auszeichnet: Remixes. Vom Chipmonk-Remix, über die lyrische Lesung bis zum Dub. Sogar ein Swagify-Bookmarklet hat jemand gecodet.

Money Boy hält nicht nur Kontakt zu seinen Fans, er integriert sie in seine Franchise-World. Es gibt ein Musikvideo von ihm, in dem Chris und ich vorkommen. Ihr könnt ja mal suchen…

Meint der das ernst?

Der Klassiker unter den Interview-Fragen. Auch wir haben an der HdM gerätselt, als Dreh den Swag auf neu war. – Steckt da eine Agentur dahinter? Entpuppt sich das ganze als Marketing-Stunt? Heute hat er einen Plattenvertrag, macht auch weniger schräge Tracks und müsste Unsummen mit Merchandise machen. Fakt ist: Er meint das ernst.

Doch wie kann das sein? Wie kann denn bitte ein so schlechtes Produkt so erfolgreich sein?

Dreh den Swag auf ist nicht unbedingt schlecht. Es polarisiert nur. Auf der Facebook-Fansite von Money Boy wechseln sich Hass-Tiraden mit Fanboy-Gekreische ab. Ich vermute, der Erfolg basiert auf drei Eigenschaften seiner Produkte:

  1. Er ist lustig. Unterhaltsam. Nicht trotz, sondern wegen den verschielten Tönen. In Zeiten von glatt geleckten Auto-Tune-Produktionen sticht das aus der Masse hervor.
  2. Er ist der erste deutsche amerikanische Rapper. Der sich traut, einfach mal komplett einen auf geschmacklosen Pimp zu machen. Das müssen wir Deutschen wohl von einem Österreicher lernen.
  3. Er ist bedingungsloser Hip Hop Fan, der sich nicht darum kümmert, was andere von dieser Musik halten. Das trifft den Nerv vieler Rapfans hier in Deutschland, die sich irgendwie ständig in der Defensive sehen.

Money Boy rappt, Fans am Start

Das Ganze spiegelt wieder, was man letztes Jahr viel von Seth Godin gehört hat: Kein “cutting off the edges, going for the center” mehr. Stattdessen ein “be different”, das auch wirklich so gemeint ist.

Und wie kann das authentisch sein, wenn ein 29-Jähriger über Privatjets rappt? Eine Erklärung hierzu können vielleicht diese Thesen von mir liefern. Authentizität in Interviews, wenn es um Fakten und ernst gemeinte Fragen geht, Fantasie in der Werbewelt – Money Boy bekommt den Spagat hin. Und keiner nimmt ihm das krumm.

  • In den Videos hängt er mit Bitches ab, im Interview gibt er an, vergeben zu sein und redet darüber, wie das für seine Freundin ist.
  • Im Song singt er von “hunderttausend Euro hier, hunderttausend Euro da”, bei der Homestory gibt er zu, dass eine Uhr für 7000 Euro für ihn jetzt auch noch kein Taschengeld ist.
  • In seinen Texten gibt es “no homo”-Disclosures en masse, dabei hat er absolut nichts gegen Schwule, versteht das ganze eigentlich nur als lustigen Teil seines Wordings.

Wer Money Boy mal life getroffen hat (zum Beispiel backstage im VIP-Bereich), dem werden zwei Dinge sofort auffallen. Erstens, er ist rießig. Zwei Meter. Zweitens,  er ist so locker, nett und bodenständig, wie man nur sein kann.

Und wer hört solche Musik?

Viel Spaß bei dem Versuch, Money Boy Fans in Kategorien zu packen. Das Scheitern von Sinus, Sigma und sämtlichen Lebenswelt-Ästhetik-Modellen ist da vorprogrammiert. Wer heute erfolgreich ist, definiert sich seine Zielgruppe einfach selbst. Zum Beispiel so: “Alle Leute mit Swag, die heiß sind, no homo.”

Outfit eines typischen Money Boy Fans

Fazit

Money Boy macht nur zu einem sehr geringen Prozentsatz das, was uns angehenden Kommunikationswissenschaftlern an der Hochschule beigebracht wird. Außer einem konsequenten Wording und Corporate Design (wenn auch schlecht), ist der Erfolg des Rappers nur schwer mit unseren Vorstellungen und Modellen von erfolgreicher Kommunikation zu erklären.

Es wird deshalb Zeit, aus dem Bett zu steigen, “what up” zu sagen und mal über genau diese Vorstellungen und Modelle nachzudenken. Vielleicht kann man sich für den Alltag in den Agenturen ja ein Stück Swag abschneiden. Und damit Werbung machen, die wieder Spaß macht.

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Falk Ebert

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12 Responses to “Das Geheimnis von Money Boy”


  1. 1 phil Januar 25, 2011 um 12:37 vormittags

    Hm, diesen Artikel würde ich dann jetzt auch mal unter “Fanboy-Grekreische” einordnen …

  2. 3 Christian Januar 30, 2011 um 3:17 nachmittags

    Das bemerkenswerteste an diesem Artikel ist wie lange du dich scheinbar damit befasst hast. Das muss doch Qual und Entertainment in einem sein. :)

    Diesem Typ werden sicherlich noch einige folgen in nächster Zeit. Ich wage zu behaupten, dass irgendwo in Berliner Plattenbauten genau daran gearbeitet wird eine deutsche Kopie zu etablieren. ;)

    Guter Artikel

    Christian

  3. 6 andreas Februar 14, 2011 um 10:10 nachmittags

    super artikel, großes lob

  4. 8 Moneyfan März 10, 2011 um 12:43 vormittags

    moneyboy is geil

    • 9 Dave August 17, 2013 um 8:01 nachmittags

      Rappen soll er können alter er ist die grösste Verarsche auf der Welt ich kann besser Rappen als er er ist berühmt geworden wie zmb Ghangam Style der einzige unterschied Ghangam Style hört man gerne :D

  5. 10 Mark Müller September 17, 2013 um 1:35 nachmittags

    Irgendwie ist das für mich wie bei Helge Schneider, der auch unbeirrbar idividuell an so nem Ding mit viel Fremdschämen festhält und dann aber in Interviews mit grundsolidem Selbstvertrauen, Ehrlichkeit und den besten moralischen Werten zu sehen ist. Das sind wirkliche Persönlichkeiten die sonst nicht da sind.

    Agenturen können in der Natur der Sache nur Unpersönlich und falsch sein. Ist aber auch pervers an Moneyboy, dass er die Klamotten&Blingbling Werte die er privat hat so stark übertreiben kann und dabei aber nicht seine Authenzität verletzt.

    Wer weiß vielleicht wird er ja noch TV Entertainer einer BlingBling*Show.

    ..um mein mein Senf abgegeben zu haben.


  1. 1 Was wurde eigentlich aus… « Gefahrgut Trackback zu Mai 16, 2011 um 1:40 nachmittags
  2. 2 Was wurde eigentlich aus… Vol.2 « Gefahrgut Trackback zu März 13, 2012 um 8:17 vormittags

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