RTFCM ist das neue RTFM!

Foto des Cluetrain Manifest

Read the fucking manual! Diesen dezenten Hinweis auf das Handbuch bekommt man im Internet gerne mal um die Ohren geknallt, wenn man von einem Computerprogramm keine Ahnung hat.

Doch was sagt man jemandem, der von Kommunikation im Internetzeitalter keine Ahnung hat? Handbücher sind keine Alternative. Denn das Internet ist zu schnell für Anleitungen. Beispiel? Facebook: the missing manual ist aus dem Jahr 2008 und schon heute zu nichts mehr zu gebrauchen, weil es hoffnungslos veraltet ist.

Ein Buch, das schon acht Jahre davor geschrieben wurde, aber heute noch aktuell ist, ist das Cluetrain Manifest. Das ist kein Handbuch, sondern eine brennend heiße Ideensammlung. Denn die Thesen sind seit Twitter und Facebook aktueller als je zuvor. Deshalb mein alternativer Appell: “Read the fucking Cluetrain Manifesto!”

Was ist das Cluetrain Manifest

Da wären zunächst einmal die Thesen, die das eigentliche Manifest bilden. Die haben, rein zufälligerweise, die selbe Anzahl wie die Thesen eines gewissen Martin Luthers. Im Gegensatz zu dessen Werk sind sie aber nicht an Kirchentüren gedübelt worden, sondern auf dieser ansehlichen Homepage veröffentlicht. Ein Auszug:

1. Märkte sind Gespräche.

2. Die Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Kategorien.

3. Von Menschen geführte Gespräche haben einen menschlichen Klang. Sie werden mit einer authentischen menschlichen Stimme geführt.

7. Hyperlinks untergraben Hierarchien.

15. Schon in wenigen Jahren wird die gegenwärtige homogenisierte und sterile Sprache unserer Unternehmen, die Sprache der Mission Statements und Werbebroschüren auf uns ebenso manieriert wirken wie die Sprache bei Hof im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts.

19. Inzwischen können Unternehmen sich unmittelbar mit ihren Märkten austauschen. Wenn sie diese Chance nicht wahrnehmen, könnte es ihre letzte gewesen sein.

95. Wir sind aufgewacht und verbinden uns miteinander. Wir beobachten, aber wir warten nicht.

Entstanden sind die Thesen zur Dotcom-Hochzeit im Gespräch zwischen Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger. Die vier Jungs aus dem “Hightech-Establishment” haben noch Artikel dazu gepackt und fertig war das Buch, dass es inzwischen schon in der 10-Jahres-Edition gibt.

Kritik am Cluetrain Manifest

Das Buch ist dabei nicht als Wirtschafts- oder Ratgeberbuch zu verstehen, wissenschaftlichen Anspruch sucht man vergblich. Das will es aber auch gar nicht sein. Trotzdem fehlt mir an ein paar Ecken ein konsequentes Weiterdenken. Zum Beispiel bei der Frage, in wie weit die Funktion der oft genannten und romantisierten “historischen Märkte” durch den technischen Wandel heute noch bestehen kann. Oder wie die Folgen der Strukturen, die duch das System Management entstanden sind, aufgelöst werden können. Oder, oder, oder…

Viel zu diskutieren, viel zu tun. Das geht aber nur, wenn wir alle das Buch gelesen haben und zur Diskussionsgrundlage nehmen können. Ergo: RTFCM!

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Falk Ebert

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