Der wahre Spam liegt in deinem Briefkasten.

Geht an 31 Millionen Haushalte: Die Frei-Bild

Die Angst vor Facebook beschäftigt viele Deutsche. Wer sich da anmeldet, so die Furcht, bekommt massenhaft ungewünschte Werbung. Dabei verkauft Facebook keine Daten an die Werbeindustrie. Was aus Gewohnheit übersehen wird:

Der wahre Spam findet offline statt!

Dafür nur drei Beispiele:

  • Das als TV-Programm getarnte Werbe-Mailing Einkauf Aktuell, dass die Deutsche Post ungefragt an 18,5 Millionen Haushalte ausliefert.
  • Die ständigen Mailings, die ich von meinen Banken bekomme. Dort nennt man das “CRM durch relevante Direct Mailings”. Ich nenne das einfach nur “ungeöffnet in Papiermüll werfen”.
  • Die gemeinen Werbeanrufe von Verlagen, vor denen man auch sich mit der Robinsonliste nur bedingt schützen kann.

Trauriger Höhepunkt des nicht-digitalen Spams: Das Bild-Jubiläum.

BILD ist übrigens die Zeitung, die Prominente erpresst, privates Bildmaterial von vermeintlich Toten ungefragt ausgeschlachtettendenziös über Ausländer berichtet und darüber hinaus bestenfalls mit irrelevantem Schwachsinn glänzt. Genau diese Zeitung hat jetzt eine Jubiläums-Ausgabe an 41 Millionen Haushalte in Deutschland geschickt. Ungefragt, versteht sich.

Das Exemplar landet auch in Briefkästen, auf denen “Bitte keine Werbung einwerfen” steht. Und das, obwohl ordentlich Werbung drin ist. Zum Spaß mal ein vollkommen aus der Luft gegriffener Vergleich zwischen der Werbung in Facebook und der in der Jubiläums-Bild.

Vergleich der Werbung in der BILD und auf Facebook.

Die in der Ausgabe geschalteten Werbeanzeigen dürfen dem Verlag (grob über den Daumen gepeilt) etwa 15 Millionen Euro gebracht haben. Selbstverständlich ist das nicht-personalisierte Werbung, die ich nicht per del-Taste, sondern per Gang zum Papierkorb löschen muss. Werbung, die kein Adblocker oder Spam-Algorithmus automatisiert verhindern kann. Das ist der wahre Spam.

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Falk Ebert

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13 Antworten zu „Der wahre Spam liegt in deinem Briefkasten.“


  1. 1 Kristof Schmit Juni 25, 2012 um 1:46 nachmittags

    Ahhahaha, musste grad lachen bei dem Artikel. Geile Idee mit dem Vergleich zwischen Chris’ Facebook Seite und der Jubiläums-Bild… ;-)

    Robinsonliste kannte ich nicht. Danke fürs drauf aufmerksam machen – ist zur Inspektion in Pocket vorgemerkt…

  2. 3 Tim Kleyersburg Juni 25, 2012 um 1:56 nachmittags

    Nur 15 Millionen Euro?
    Wenn ich mich recht an die Mediadaten der Jubiläumsbild zurückerinnere, lag doch 1/1 Seite bereits bei ca. 4 Millionen Euro. Ich habe die Jubiläumsausgabe zwar noch nicht gesehen, aber da ist (das impliziert ja auch deine Grafik) doch sicher mehr Werbung geschaltet worden.

    • 4 Kristof Schmit Juni 25, 2012 um 2:02 nachmittags

      4 Mios? Abgefahren! Mediamarkt hat ja nicht nur die ganzseitige Anzeige, sondern obendrein auch noch nen Zehner Rabatt auf 50€-Geschenkkarten heute/morgen…

      Hab das Blatt leider schon entsorgt – vielleicht hat Falk ja Lust, noch mal hochzurechnen? :-)

      • 5 Falk Ebert Juni 25, 2012 um 2:49 nachmittags

        Die ganze Seite lag bei knapp über vier Millionen, die halbe bei ungefähr zwei. Kleinere Formate bin ich mir nicht sicher.

        Auf rund 15 Millionen bin ich gekommen, wenn ich das kumuliert habe, die Ausgabe war ja nicht sonderlich groß. Kann gerne für euch noch mal zusammenzählen, wenn ich zuhause bin. ;)

    • 6 Tim Kleyersburg Juni 25, 2012 um 8:49 nachmittags

      So, habe sie nun in den Händen gehalten und bin bei grobem Durchblättern auf 25-30 Mio gekommen. Recht netter Batzen würde ich sagen!

  3. 7 Benjamin Lang Juni 25, 2012 um 3:13 nachmittags

    Schöne Betrachtung der Thematik.

    Ich frage mich auch jedes mal, in was für eine komischen Welt ich lebe, wenn jedes Wochenende 10 Prospekte von Lidl, Aldi, Edeka, Penny, Netto, Bauhaus und Co einflattern … und alle wollen, dass ich noch mehr Dinge kaufe, die ich wohl schon doppelt und dreifach zuhause hab. Verrückt…

  4. 8 Jessy Cz Juni 27, 2012 um 4:05 nachmittags

    Sehr schöner und prägnanter Artikel! Der fasst gut zusammen, was wir alle denken.
    Nur 250.000 Menschen haben sich vorab gegen eine Zustellung der Gratis-BILD gewehrt. Die meisten konnten keinen Einspruch einlegen, da sie von der Verteilaktion gar nichts mitbekommen haben. Mich würde interessieren, wieviele es gewesen wären, wenn alle davon gewusst hätten. Zum Nachdenken: 8,1% aller Abiturienten und Studenten in Deutschland lesen regelmäßig die BILD.

    Die BILD wurde erst neulich mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet. Sozusagen dem ‘Oscar des Journalismus’. Drei Journalisten der sueddeutschen Zeitung haben daraufhin ihren Preis abgelehnt (siehe: http://www.sueddeutsche.de/medien/eklat-beim-henri-nannen-preis-netzwerk-recherche-kritisiert-nannen-jury-1.1355638).

    Herr Leyendecker von der sueddeutschen hat letzte Woche an meiner Uni einen Vortrag über die BILD-Zeitung gehalten. Der wäre auch was für dich gewesen, Falk. Herrlich, wie er über dieses [Zitat:] “Drecksblatt” hergezogen ist.

    Immer noch völlig unverständlich, warum viele Prominente für die BILD Werbung machen und sie als einzige Informationsquelle nutzen. Es wird doch nicht jeder so naiv wie Gerhard Schröder sein…


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