Der ultimative Nein-Aber-Artikel (Teil 2)

Heute der zweite Teil unserer differenzierten Betrachtung heißer Digital-Themen.
Teil eins hier.

Not sure meme

Nein, es gibt keine post privacy

Es ist für unsere Gesellschaft weder hilfreich noch wünschenswert, wenn es keine Geheimnisse und geschützten Bereiche mehr gibt. Und oversharing nervt.

Aber:

Soziale Netzwerke führen dazu, dass wir Menschen uns mehr öffnen. Und das ist nicht nur schlecht. Außerdem sollten wir nicht mit zweierlei Maß messen: Keiner wirft dem Telefon vor, dass dort unheimlich viel Small-Talk geführt wird. Twitter aber schon. Und der Schund, der uns auf RTL präsentiert wird, unterbietet das Niveau der dunklen Seite der Blogosphäre bei weitem.

Nein, PC-Spiele sind keine Zeitverschwendung

Denn Spielen ist Teil unserer Natur. Und es hat positive Effekte. Randnotiz: Mir persönlich haben Caesar 2 und Rome: Total War mehr über die Antike gelehrt, als alle Geschichtsstunden in der Schule zusammen.

Aber:

Fakt ist, dass bei vielen Kids heute ein Ungleichgewicht zwischen digitaler und “haptischer” Unterhaltung vorherrscht. Virtuelle Welten sind einfach zu verlockend. Und Verbote und Einschränkungen machen sie nur noch interessanter. Vielleicht wird die gerade aufkommende Generation AR-Spielzeug daran etwas ändern…

Nein, Blogs sind nicht die fünfte Gewalt im Staat

Blogs haben in Deutschland deutlich weniger Reichweite, Bedeutung und Relevanz als in beispielsweise den USA. Das liegt daran, dass wir hier (bei aller berechtigten Kritik) eine immer noch vergleichsweise unabhängige und kritische Presse haben.

Aber:

Blogs und Co. sind im kommen. Die Geschichte um Horst Köhler war ein Vorbote. Und die massiven Zensursula- und SOPA-Proteste wurden sicher nicht dadurch ausgelöst, dass in der Tagesschau jemand gesagt hat: “Kritiker des Gesetzes befürchten indes, …”

Nein, Teams müssen nicht mehr an einem Ort arbeiten

Google Docs und Skype machen es fast unnötig, in einem Büro zu sitzen. Chris und ich arbeiten seit Monaten auf zwei verschiedenen Kontinenten an diesem Blog. Und viele Büro-Jobs würden im homeoffice ohne Zweifel effizienter erledigt.

Aber:

Eine Sache wird gerne unterschätzt – Vertrauen. Es ist von Zeit zu Zeit einfach unabdingbar, sich in 3D in die Augen zu sehen. Denn anders fehlt schnell das Vertrauen. Und das ist gerade bei Startups unerlässlich.

Nein, Marketing/Werbung ist nicht tot

Was für ein krasses Blabla. Einfach mal an die “4P” im Marketing-Mix denken. Wie soll eine so grundlegende Betrachtung outdated sein? Und klassische Werbung ist tot? Mitnichten. Ein TV-Spot bleibt das mächtigste Tool um eine Marke emotional aufzuladen. Mark my words.

Aber:

Zwei Dinge. Erstens wird im Marketing meistens unheimliches Potential verschenkt, weil digitale Kanäle nicht richtig in den Marketing-Mix integriert werden. Und zweitens ist es schwerer wie früher zu lügen. Siehe z.B. Nokia PureView. Im Social Web muss das Werbeversprechen mehr als je zuvor aus den Stärken des Unternehmens und des Produktes gedacht werden.

Kritische Kommentare gerne gesehen.

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Falk Ebert

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2 Antworten zu „Der ultimative Nein-Aber-Artikel (Teil 2)“


  1. 1 Jessy Cz September 18, 2012 um 10:59 vormittags

    Teil 2 gefällt mir fast noch besser als Teil 1! Interessant vor allem das mit den Blogs. Jonas Schaible, dem vorgewurfen wird, mit Schuld am Rücktritt Köhlers zu sein (siehe: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/koehlers-ruecktritt-ist-er-von-einem-blogger-gestuerzt-worden-1993979.html) ist ein Kommilitone von mir. Er hat damals an unserer Uni ganz schön für Aufsehen gesorgt und er selbst war total baff von der Reaktion auf seinen Post. So etwas hat er nie erwartet. Da sieht man mal, wie Blogs und Posts im Internet allgemein noch unterschätzt werden! Und ich gebe dir recht: Blogs sind im Kommen. Ich bin gespannt, was da in den nächsten Jahren auf uns zukommt. Wollen wir hoffen, dass euer Gefahrgutblog noch mehr Publikum findet!

    Zum Thema “neue Teams müssen nicht mehr an einem Ort arbeiten”: anstatt “3D-Kommunikation” würde ich hier den Begriff “face-to-face” Kommunikation wählen. 3D ist irritieirend – es gibt bereits 3D Bildschirme. Man kann sich also auch digital “3D in die Augen” sehen. Analog wäre face-to-face.

    Wann gibt´s Teil 3?

    • 2 Falk Ebert September 18, 2012 um 9:30 nachmittags

      Hey, vielen Dank für den neuen, sehr netten Kommentar!

      - Wie hat denn dein Kommilitone seine Rolle in dem ganzen Drama eingeschätzt? Und wurde er von der Presse eine Zeit lang krass belagert? Würde mich ja mal interessieren!

      - Wegen 3D: Ich wollte den Begriff “Real Life” vermeiden, weil digitale Medien ja längst Teil unseres echten Lebens sind. Du hast Recht, face-to-face ist vermutlich der bessere Begriff.

      - Teil 3 gibt es, wie gesagt, wenn sich wieder ein paar Themen angesammelt haben, bei denen mir zu undifferenziert diskutiert wird. Inspiration dazu gerne als Kommentar, bei Facebook oder Twitter. :)


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