Manchmal fühle ich mich als digital native einfach nicht verstanden.

Handy Verboten Schild

Paradebeispiel dafür:  Ein Fitness-Center, das sich selbst “Marktführer und Trendsetter im Bereich Fitness” nennt. Bestimmt nicht der günstigste Anbieter am Markt.

Fail 1 ist mir schon bei der ersten Führung durch das Center aufgefallen: Kein WiFi. Klar, ich soll da auch schwitzen und nicht surfen. Aber Trainings-Musik höre ich fast nur noch über 8tracks. Und Podcasts, TED-Talks, … HALLO? Soll ich etwa auf den aufgehängten Fernsehern RTL schauen?
Neben den Geräten hängt ein Schild, dass man sein Handy im Club nicht benutzen darf. Da das darauf abgebildete Tasten-Telefon keinerlei Ähnlichkeit mit meinem Smartphone hat, habe ich das Schild bislang müde lächelnd ignoriert.

Der Fail 2 wurde mir klar, als ich die Mappe mit meinem Trainingsplan bekommen habe. Moment, Mappe? “Ja, die kommt in den Schrank dort vorne.” “Kann ich den Plan auch online abrufen?” Kann ich nicht. Und wenn ich mal in einem anderen Club trainieren möchte? Einer ist näher bei meiner Wohnung, einer bei meinem Arbeitgeber. Faxen die den Plan dann rüber? Oder ist man so weit noch nicht?

Nach dem Erstellen des Trainingsplans der Fail 3: Termine mit den Personal Trainers werden mir mündlich mitgeteilt. Wenn die Termine sowieso dort in das System gehacked werden, warum kann mir System dann keine VCF-invites per Mail schicken? Ach so, meine Mailadresse ist nur für den langweiligen Newsletter gespeichert. Verstehe.

Was mir bei der Sache mit dem Mappen-Schrank schon dämmerte, wurde auf Nachfrage zur traurigen Gewissheit: Es gibt keine App des Clubs, die mich auf irgendeine Art und Weise beim Training unterstützt. Fail 4. Öffnungszeiten, Kurs-Termine, Trainings-Plan, Ernährungs-Checkliste, … relevante Use-Cases fallen wohl jedem ein. Nix gibt’s.

Und zum Schluss noch ein kleiner Bonus-Fail: Die Standard-Vertragsdauer liegt bei einem Jahr. Drunter wird es deutlich teurer UND der Zuschuss-Deal mit meinem Arbeitsgeber würde wegfallen. Na prima. Als ob ich heute weiß, was ich in verdammten zwölf Monaten machen werde? Ich weiß doch meistens noch nicht mal am Freitag, was ich am Wochenende mache!

Young Professionals sind eine hoch interessante Zielgruppe. Warum gibt sich kaum ein Unternehmen Mühe, sie zu verstehen?

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Falk Ebert

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6 Antworten zu „Manchmal fühle ich mich als digital native einfach nicht verstanden.“


  1. 1 Laia September 24, 2012 um 2:30 nachmittags

    my sentiments exactly ;) Selbst für wenig digitaler Menschen ein Über-Horror.

  2. 3 kai September 25, 2012 um 3:17 nachmittags

    bin zwar diginative und studiere den krams aber ich finde man kann auch übertreiben. früher gings doch auch. auch ohne instagram sieht die welt gut aus. Man kann in fitnessstudios auch mal keine musik hören, sich mit leuten unterhalten und sich die termine MERKEN oder AUFSCHREIBEN. Zur not halt auch im Smartphone.

    Vielleicht wärs mal ne idee im Fitnesstudio zu flirten, sich zu unterhalten oder sich einfach auf das Training zu konzentrieren. Aber nein,.. immer schön mit den online Medien verbunden und sich zuballern lassen. Kein wunder dass es apple schafft tausende idioten tagelang vor ihren stores Campen zu lassen, obwohl es da nix großartig neues gibt.

    • 4 Falk Ebert September 25, 2012 um 3:45 nachmittags

      Flirten ist für Nicht-Single wenig interessant, Unterhalten sehr schwierig, wenn man anständig trainiert. Und beim Konzentrieren hilft mir die Musik, mit den sorgfältig ausgesuchten Tracks.
      Termine selbst eintragen ist die logische Konsequenz, aber warum sollte man es den (gut zahlenden) Kunden unnötig kompliziert machen?

      Und ja, auch ohne Instagram ist die Welt sehr schön. Wer aber mal einen zweistündigen Dia-Abend bei Bekannten überlebt hat, … ;)

      Klar, man kann es auch übertreiben (dazu sind Blogs ja da) und immerhin habe ich den Vertrag mit dem Center trotzdem gemacht. Von daher auch Danke für einen berechtigten Einwurf.

      Das Argument “es geht auch ohne” sollte aber keine Ausrede sein, damit man sich als Unternehmen nicht auf die Lebenswelt der digital natives einstellen muss.

  3. 5 Schiri September 25, 2012 um 3:30 nachmittags

    Mir sprichst du auch aus der Seele, Falk!


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