
Als Twitter vor ein paar Jahren auf dem Höhepunkt seiner Macht war, war es noch richtig cool. Limitiert auf 140 Zeichen. Text only. Offen für Entwickler-Spielereien jeder Art. So wurde es verdammt groß.
Die aktuelle Strategie von Twitter
Irgendwann kam dann jemand auf die Idee, man könnte mit den Usern auch Geld verdienen. Keine schlechte Idee, nach mehreren hundert Millionen Dollar Finanzierung. Eine schlechte Idee ist allerdings die Strategie, die Twitter derzeit damit fährt. Denn die macht vieles kaputt, was den Dienst einst groß gemacht hat. Grundsätzlich setzt Twitter dabei auf zwei Säulen:
- Wir machen den Dienst “massentauglich”.
- Wir möchten keine Clients.
Punkt eins bedeutet eine Abkehr von der linearen, textbasierten Darstellungsform – hin zu Multimedia und (News-)Aggregation. Außerdem wurden die offiziellen Apps auf FisherPrice-Niveau runtergeschraubt. Und es gibt jetzt Profilbilder (seriously?).
Punkt zwei wird zügig durch eine massive Beschneidung der Programmierschnittstelle durchgesetzt. Ganz besonders fies: Es trifft dabei auch IFTTT! Sämtliche Trigger wurden entfernt. Während ich bislang alle meine getwitterten Artikel automatisch als bit.ly-Links gespeichert habe, ist diese Funktion dahin.

Was ich hier beschreibe, wird viele Casual User von Twitter (siehe Punkt 1) nicht unbedingt vom Hocker hauen. Wie Twitter allerdings ohne Core User und Influencer neue User gewinnen und langfristig überleben möchte, das ist mir nicht ganz klar.
Es würde besser gehen
Ein anderer Weg für Twitter wird in den amerikanischen Tech-Blogs schon länger diskutiert: Warum nicht Entwicklern die volle Freiheit lassen, dann aber Prozentsatz x von ihren Einnahmen kassieren? So würde Twitter einen stabilen, dezentralen revenue stream etablieren. Und sie würden es den Entwicklern überlassen, Form und Werbedruck bestmöglich auszuloten.
Szenario zwei wäre eine Abkehr von der Werbung als Prio Nummer eins. Ich nutze Twitter immer noch so intensiv, dass ich gerne ein paar Euro im Monat dafür zahlen würde. Vor allem, wenn ich dafür Client-Freiheit, volle API-Funktionalität und Werbefreiheit hätte. Ich bin sicher, in einem Freemium-Modell könnte ein gutes User Experience für alle Arten von Twitter-Nutzern erreicht werden.
Twitter hat sich gegen beides entschieden.
Fazit
Twitter wird auf seinem steinigen Weg zur Monetarisierung stetig unattraktiver für Pro-Nutzer, die sich längst nach Alternativen wie App.net umschauen.

Würde ich Twitter dennoch immer noch empfehlen? Oh ja. Denn es gibt schlichtweg noch keine gute Alternative: App.net ist zu jung, Facebook nutzt niemand entsprechend, Pinterest ist nur für visuelle Inhalte gut und Google+ hat immer noch keine anständige API. Und zugegebenermaßen, das kleine Vögelchen macht nach wie vor eine Menge Spaß.
Vielleicht bekommt Twitter ja noch die Kurve. Zu hoffen wäre es.
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