Arbeiten unterwegs als Dauerzustand

Alle meine Freunde und Bekannten fluchen, wenn sie im ICE von München nach Frankfurt mal wieder keinen Internetempfang kriegen. Oder wenn die Verbindung in der Uni schlecht ist. Oder Skype ab und an stockt. Verständlich? Und ob! Auch ich fluche in diesen Fällen. Und auch wenn hier viele Leute der älteren Schule nichteinmal bemerken, dass es ein Problem gibt, geht unserer Generation nahezu die Düse.

“Always-On” bedeutet dabei nicht nur nette Spielereien während der Bahnfahrt, sondern wertvolle Arbeitszeit, die ansonsten verloren wäre. Gerade für Freiberufler wie mich ist das bares Geld. Nutzlos irgendwo aus dem Fenster zu schauen ist für mich nämlich weder abschalten, noch sinnvoll die Zeit genutzt. Leider.

Und das solche Situationen immer seltener vorkommen, habe ich mich anpassen müssen. Mit Erfolg.

Denn die Menge an Arbeit, die ich in den letzten vier Wochen während meiner Reise über Miami, Mexiko, Kuba, New York, Island und München jongliert habe, hat mich für alle Situationen und Eventualitäten Deutschlands abgehärtet: Kleine Kinder am Pool in Mexiko während ich den wichtigen Screencast aufnehme. Internet Rubbelkarten zu astronomischen Preisen in Havanna. Überfüllte Coffee-Shops in Reykjavik. Ich hatte die ganze Palette.

Und siehe da: Der Mensch passt sich an. Nach all den Strapazen habe ich inzwischen ein dickes Fell. Emails werden immer lokal gespeichert wenn ich unterwegs bin (also bereits im Vorfeld). Screenshots wichtiger Projekte lassen mich auch offline mehr oder weniger effektiv arbeiten. “Sichere” Internetzeit wird wertvoll genutzt und nicht auf Facebook verbracht.

Der Luxus Internet war mir bis dato nie so recht bewusst. Denn genau dann abgeschnitten zu sein, wenn man so dringend zugreifen müsste, ist ein wirklich unangenehmes Gefühl.

Paradoxer Weise war ich NIEMALS zuvor so produktiv wie während meiner Reise durch Kuba. 8€ für eine Stunde Internet per Rubbelkarte in einer Hotellobby, in der man eigentlich nichtmal sitzen dürfte, war ein Zustand unter dem jede Sekunde genutzt wurde: Einloggen, Emails abrufen, Ausloggen, Emails schreiben, Einloggen, Absenden. Und wieder von vorne.

Im Endeffekt habe ich zwar wesentlich weniger Arbeit fertig gebracht – vielleicht 30% von dem was ich normal machen würde. Dafür habe ich aber maximal 10% der Zeit gearbeitet. Eine gute Quote, die für den Moment den Zweck erfüllt hat.

Ich hoffe, dass ich diese Disziplin nun auch im normalen Alltag in Deutschland beibehalten kann.

Ich zweifle leider stark.

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3 Antworten zu „Arbeiten unterwegs als Dauerzustand“


  1. 1 Falk Ebert Oktober 7, 2012 um 2:20 nachmittags

    Schöner Artikel! Benutzt du für die Emails einen Client / ein device über IMAP, oder geht das lokale Speichern mit Gmail plus Chrome?

  2. 3 Sabine Greier November 8, 2012 um 10:26 nachmittags

    Ich kenne das zu gut. Heute hatte ich mir einen Virus eingefangen und konnte den halben Tag nicht ins Internet. Eh mein Rechner wieder fit war, vergingen schon ein paar Stunden. Ich habe mich, wie du gefühlt, als wäre ich von der Welt abgeschnitten. In solchen Momenten denke ich dann, ob ich wohl süchtig danach bin? Der Gedanke wird erstmal beiseite geschoben, denn ich bin ja jetzt wieder im www unterwegs. ;-)


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