Archive for the 'Werbung mit und im Internet' Category

Warum der neue Volvo Werbespot funktioniert

Den neuen “Spot” – falls man ihn überhaupt so nennen kann – von Volvo hat inzwischen so gut wie jeder gesehen. Auf YouTube steuert der 1:17 Minuten lange Film auf die 40 Millionen Views zu, und das nach nur fünf Tagen. Und selbst die Making-Offs und Ableger haben allesamt Aufrufe im hohen sechsstelligen Bereich.

Warum aber funktioniert der Spot so gut?

1. Er ist kurz

2. Er ist emotional

3. Er hat ein Wow-Moment

4. Er passt zur Marke

5. Er wurde grandios geseedet

Aber lasst mich erklären was ich meine. Es gab schon viele gute Spots zuvor, die nicht ein solches Publikum erreichen konnten, aber trotzdem super waren. Die meisten davon erfüllen die oberen Kriterien auch. Zum Beispiel diese Werbung für Carlton Draught:

Hier passt für mich auch alles. Aber das gewisse Etwas fehlt. Diese Schroffheit, die ein Antiheld wie Van Damme erzeugen kann. Ein humorvoller Spot tut sich oftmals schwerer hier zu punkten, da ein kurzer Lacher zwar nett ist, aber nicht tiefer geht. Für Carlton ist die Wahl des Humors aber wesentlich geeigneter als Seriösität, schon allein deswegen, weil man da bei Alkoholwerbung ohnehin vorsichtig sein muss. Daher hat das Unternehmen hier eigentlich das Potenzial voll ausgereizt.

Volvo hat den Nachteil, nicht einfach zum Humor greifen zu können. Das würde zur Marke einfach nicht passen. Allerdings macht diese Einschränkung eine knackige Idee natürlich etwas schwerer. Es birgt jedoch auch die Chance, wie oben erwähnt, einen Volltreffer zu landen. Den wahren Unterschied macht bei Volvo in meinen Augen aber nicht nur der perfekte Fit zu Marke, sondern auch das Seeding. Statt auf der jährlichen Superbowl Welle mitzureiten, packte man die Sache selber an.

Mit Spots wie diesem, die den Hauptspot zum 14. November hin angeteasert haben, wurde Spannung erzeugt:

Dies gibt Bloggern und anderen Interessierten auch die Möglichkeit, das finale Video in ihren Contentplan einzutakten und zu verarbeiten, bevor es schon wieder outdated ist. Gutes Storytelling lebt leider nicht von der Story allein, sondern davon, dass sie auch erzählt wird. Das vergisst man leicht, aber klassische PR hat nach wie vor seine Daseinsberechtigung, auch wenn sie heute etwas anders aussieht als zuvor und mehr über Plattformen als über Individuen abläuft.

Schön finde ich, dass Volvo für den konsequenten Spot belohnt wird, in welchem nun die Linie von 2012 weiterverfolgt wird.

So sieht gutes Storytelling für mich aus.


Christian Faller

Reddit für Anfänger – Teil 3 unserer Serie über den vielleicht interessantesten Ort des Internets

Reddit Teil 3 über Marketing

Wer Reddit als Marketing-Tool einsetzt, betritt zwangsläufig Neuland. (Höhö, Neuland.) Es gibt Cases, es gibt erste Erfahrungswerte, aber das war es dann.
Von einer Professionalisierung, wie bei Twitter oder Facebook, ist die Branche noch Lichtjahre entfernt.

Wie kann man Reddit einsetzen?

Auf zwei Arten. Zum einen, wie ein ganz normaler User. Im Dialog, mit einem normalen Profil. Es gibt keine Unternehmens-Profile, keine Möglichkeiten Nutzerbilder und überdimensionierte Profilbanner von Agenturen gestalten zu lassen. Es gibt nur Accounts, die Content posten und sich dann dem gnadenlosen Urteil der Up- und Downvotes stellen müssen.

Davon abgesehen gibt es aber auch noch eine Paid-Media-Lösung zum selbst einbuchen. Ähnlich wie die Sponsored Posts bei Facebook: Einfach den Beitrag auswählen, ein Laufzeitbudget aussuchen, optionales Targeting auf Subreddits und fertig.

Reddit Werbung einbuchen

Ein paar Zahlen und Case Studies findet ihr z.B. hier, hier, hier.

Wann sollte man Reddit einsetzen?

Zum einen: Wenn die Zielgruppe stimmt. Die Mehrheit der Reddit-User ist männlich, jung, englischsprachig, liberal und naturwissenschaftlich begabt. Wer französischen Omas homöopathische Heilmittel verkaufen möchte, wählt einen anderen Kanal. Außer man findet ein wirklich gut passendes Subreddit mit nicht zu wenigen Abonnenten.

Zum anderen: Wenn man guten passenden Content hat und sich auf den Kanal einstellen kann. Das setzt voraus, dass man das Medium (und das Subreddit) verstanden hat. Außerdem, dass der gelieferte Content und die Prozesse der Betreuung nicht von der üblichen Marketing-Bürokratie zerfressen sind.

Und last, but not least: Wenn man als Marke keine Image-Leichen im Keller hat, die nur darauf warten, von der findigen Community ans Tageslicht gepostet zu werden. Kommentare kann man abschalten. Aber wozu überhaupt auf Reddit werben, wenn man die Community ausschließen möchte?

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Falk Ebert

Facebook geht härter gegen Fankauf vor

Bildquelle: allfacebook.de

Bildquelle: allfacebook.de

Dass das Kaufen von Fans auf Facebook absoluter Schwachsinn ist, habe ich in einem früheren Beitrag schon einmal dargelegt. Zu den von mir genannten Argumenten kommt natürlich noch hinzu, dass diese Praktik wettbewerbsrechtlich fragwürdig ist und an einem guten (oder schlechten?) Tag des Gerichts sicher nicht einfach durchgewunken wird.

Nun hat aber auch Facebook dazu eine noch stärkere Position als bisher bezogen. Bis vor kurzem war es nämlich noch so, dass gekaufte Fans gegebenenfalls einfach gelöscht wurden und das Geld damit verbrannt war. Nun drohen dreisten Seitenbetreibern aber zusätzliche Sanktionen. So behält sich das Social Network etwa vor, dass die Seite nicht mehr öffentlich dargestellt wird. Oder, dass der Gefällt-mir-Button deaktiviert wird.

Diese Maßnahmen sollen dann in Kraft treten, wenn ein automatisierter Spam-Filter ein regelwidriges Verhalten der Seite feststellt. Die offiziellen Ankündigungen Facebooks gibt es hier nachzulesen: Seitenlimits und Warnungen

Ich persönlich fände die sinnvollste Sanktion einen großen roten Störer in der Mitte des Profil- und Coverfotos, auf dem steht: “Diese Seite kauft Fans, um seine Nutzer mutwillig für dumm zu verkaufen.”

Solange aber Firmen weiterhin als einzige KPIs im Socialweb Fan Zahlen, YouTube Views und Twitter Follower sehen, werden auch nach wie vor Fans gekauft werden, da bin ich sicher. Die kommen dann meistens von Firmen aus Niedriglohnländern, wo sich billige Arbeitskräfte 18 Stunden am Tag mit Fake-Accounts ein- und ausloggen.

Wie eine Clickfarm in Bangladesh zum Beispiel aussieht, haben wir in einem netten Video bei allfacebook entdeckt: So sehen gekaufte Fans aus

Darin wird klar, dass es ausgesprochen schwierig ist, dieses Vorgehen jemals einzudämmen, da ja wirklich Menschen dahinterstecken. Allein an der Steigerungsrate der Fanzahlen lassen sich Ausreißer identifizieren, die dann aber auf Seite von Facebook noch zusätzlich verifiziert werden müssen – es könnte ja nämlich auch ein legitimes Gewinnspiel sein, dass die Leute anlockt.

Christian Faller

Die Sehnsucht nach dem Haptischen

Früher hatten die Geräte in unserem Leben noch Knöpfe. Der Knopf hatte soziologische Auswirkungen, die den wenigsten von uns bekannt sein dürften. Schaut euch mal dieses Deck an:

Heute ist ein “Button” eine Sammlung von bunten Leuchtpunkten hinter einer Glasscheibe.

Und überhaupt verschwindet immer mehr von dem, was wir früher noch in der Hand hatten, hinter Glasscheiben: Bücher, Notizbücher, Fotoalben, Lexika, Taschenrechner, Zeitungen, Stoppuhren, …

Haptisch vs. Digital

Das muss nicht schlecht sein. Möchte ich meinen perfekt synchronisierten, hochgradig automatisierten, auf fünf Geräte synchronisierten Google Kalender jemals wieder gegen sein Pendant aus toten Bäumen tauschen? Sicherlich nicht. Lieber schieße ich mir ins Knie.

Aber die Verlagerung hinter die Glaswand hat einen subtilen Nebeneffekt: Die Sehnsucht nach haptischen Dingen wächst.

Während Universitäten in aller Welt anständige taktile Touchscreens erforschen, steigt die wahrgenommene Wertigkeit der Haptik.

Ein paar Beispiele

Die Maker Culture: Während dem gemeinen Nerd von vor 20 Jahren noch ein Linux-Laptop gereicht hat, sind jetzt Löten, Kleben und Nähen wieder im Kommen.

Maker Culture

Ein Grund, warum Instagram erfolgreich wurde: Der Polaroid-Effekt. Wir setzen der auf Hochglanz gephotoshoppten digitalen Welt echtes Retro-Feeling entgegen. Und weil das nicht reicht, kann man sich die Fotos mit unglaublich vielen Diensten ausdrucken lassen, als Kühlschrankmagnete bestellen und was weiß ich nicht alles.

Instagram Profil

Eine weitere App die Haptik simuliert: Paper. Und guess what, seit kurzem kann man seine digitalen Büchlein in haptische Büchlein konservieren lassen. In Kooperation mit Moleskine.

Paper Buch ausdrucken

Erinnert ihr euch noch an den Artikel von Chris?

Artikel über Direct Mail

Was daraus für das Marketing folgt

Zeit also, die Marketing-Budgets schnellstmöglich von Digital zu Print zurückzuschaufeln? Nope. Denn die Vorteile von digitalen Elementen im Marketing-Mix liegen immer noch auf der Hand. Es geht nicht um “Analog” oder “Print”. Es geht um Haptik.

Stattdessen ist das Ziel, Digital und Haptik sinnvoll miteinander zu verbinden. Zu überlegen, wann Haptik ein Wettbewerbsvorteil sein kann. Über die “Lager-Denke” hinweg. Über Abteilungen in Unternehmen hinweg.

  • Leads digital generieren, haptische Mailings.
    (z.B. für high involvement goods)
  • Digitalen User Generated Content haptisch manifestieren.
    (z.B. Facebook-Fans auf Flugzeuge drucken)
  • Haptische Produkte mit digitalen Stunts verlängern.
    (z.B. die Milkatafel mit der fehlenden Ecke)
  • Digitalen Produkten haptische Goodies beilegen.
    (z.B. Musikalben die “auf T-Shirt” vertrieben werden)
  • Digitales Loyalty-Programm, haptisch belohnen.
    (z.B. der Nintendo Club)
  • und so weiter und so fort…

Packen wir es an. Offen für alles.

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Falk Ebert

Warum Marketing nicht das ist, was die meisten Leute im Marketing machen

Dass eine ganze Generation verlorener Marketing-Menschen Probleme mit dem Internet hat, ist die eine Sache. Aber eine andere ärgert mich noch mehr: Dass kaum eine Marketing-Abteilung in einem großen Unternehmen die 4P des Marketing wirklich ausreizt.

Das Problem

Viel zu oft steht “Marketing machen” für klassische Werbung. “Bei allem Respekt, aber was soll ‘mer denn außer Print oder TV anderes machen?” Oder es steht für nicht-klassische Werbung. Aber fast immer für Werbung.

Screenshot aus der von dodokay synchronisierten Szene

Was Marketing wirklich ist

Dabei haben es die Leute in genau diesen Marketing-Abteilungen mit einhundert prozentiger Sicherheit auch im Studium gelernt: Die 4P des Marketing.

Product (Produktpolitik)
Price (Preispolitik)
Place (Distributionspolitik)
Promotion (Kommunikationspolitik)

In den letzten 50 Jahren, gab es noch ein paar weitere Ideen mit ‘P’, aber lassen wir es für den Moment dabei.

Ein best case für die 4P

Wer diese viersaitige Ukulele rockt, kann auch mit geringen Ressourcen sehr viel erreichen. Merkliche Steigerungen im Umsatz des Unternehmens, zum Beispiel. Doch dazu müssen die vier Saiten auch harmonisch gezupft werden.

Humble Bundle Screenshot

Ein Paradebeispiel möchte ich hier kurz vorstellen: Das Humble Bundle.

Das Produkt: Eine Sammlung an älteren Games oder Independent-Spielen. Der Insight dahinter – Es muss nicht immer der neueste 60€-Blockbuster sein. Auch mit kleinen oder etwas betagten Videospielen kann man verdammt viel Spaß haben. Wenn sie nur sorgfältig ausgesucht und liebevoll zusammengestellt sind. Dafür ist bei jeder Sammlung gesorgt.

Die Preispolitik: Die mutigste aller Preisdifferenzierungsstrategien – die Nutzer können zahlen, was sie wollen. Wer mehr zahlt als der Durchschnitt bekommt zusätzliche Spiele oder Bonusmaterial dazu. Das schafft einen Preisanker. Außerdem wird ein Teil des Erlöses auch noch für einen guten Zweck gespendet. Da fühlt man sich doppelt schlecht, wenn man wenig zahlt.

Die Distribution: Auch hier wieder ein starker Insight – Spieler hassen DRM. Deshalb gibt es alle Spiele ganz einfach zum (mehrfachen) Download. Ohne die Copyright-Hürden, die oft auch legale Käufer vom Spielen abhalten. 

Die Kommunikation: Wer so ein gutes Angebot schnürt, muss sein Produkt nicht mit Nachdruck in den Markt pushen. Bei Humble Bundle helfen starke eigene Social Media Präsenzen, ein Newsletter und Kooperationen. Und auch der Distributionsweg hilft mit. Denn wer die Spiele an Freunde weitergibt, erzählt in der Regel auch davon, wo er sie her hat. Piraterie kann man nicht verhindern. Aber man kann sie nutzen.

So funktioniert Marketing. Doch solange im Marketing-Todesstern die vier (oder mehr) ‘P’ noch von fünf Abteilungen gesteuert werden, die kaum zusammen (oder schlimmer: gegeneinander) arbeiten, wird das nichts. Schade, eigentlich.

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Falk Ebert

Shitstorms aus der Unternehmens-Perspektive: Deshalb wirken sie

Aggro Kunden bei Shitstorms

Mit dem Entschuldigungsvideo des augenscheinlich homophoben Barilla Chefs Guido verebbt der aktuelle Shitstorm, der durch das Internet gejagt wurde.

Doch die zentrale Frage besteht weiterhin: Ja, wirken sie nun oder nicht? Basierend auf meinen Erfahrungen, möchte ich folgende These aufstellen:

Shitstorms wirken immer.

Warum, möchte ich im Folgenden erklären.

Richten Shitstorms einen finanziellen Schaden an?

Die nahe liegende Frage – richten sie einen direkt messbaren finanziellen Schaden an? Können Umsatzrückgänge oder negative Börsenkurse beobachtet werden? Meine Erfahrung: In der Regel nicht.

Bei vielen der ganz großen Shitstorms wie z.B. Nestlé oder eben Barilla fehlt mir das Datenmaterial, um das bewerten zu können. Aus der Filter-Bubble heraus kann man da schnell ganz falsch liegen – siehe letzte Bundestagswahl.

Aber bei den kleinen bis mittelgroßen Shitstorms von Kunden, die ich als Freelancer oder bei Scholz & Friends betreuen durfte, konnte von signifikanten Umsatzeinbrüchen keine Rede sein.

Warum sie dennoch wirken.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. In Unternehmen sitzen nämlich Menschen. Und so kennzahlenfixiert sie auch sein mögen: Ein Shitstorm lässt keinen verantwortlichen Marketing-Manager kalt.

Online-Protestwellen schwappen immer auch hoch bis zum Chef. Das tut in den strengen Hierarchien, die größtenteils noch vorherrschen, richtig weh. Und sie schwappen in ein paar andere Abteilungen des Unternehmens. Und verursachen meistens einen bleibenden Eindruck. Dabei gilt: Je weniger professionalisiert die Erfolgsmessung, desto höher die Beeindruckbarkeit.

Klar, nicht alle Marketeers hüpfen beim ersten negativen Tweet hinters Sofa. Und bei Unternehmen, die kontinuierlich der Kritik ausgesetzt sind (z.B. bei Energie-Unternehmen), konnte ich beobachten, wie mit Kritik sehr routiniert umgegangen wird.

Und dennoch ist meine Beobachtung, dass Shitstorms bei der Mehrzahl der Unternehmen…

  • in großen Kreisen intern wahrgenommen werden
  • über einen längeren Zeitraum erinnert werden
  • das Handeln der Akteure im Unternehmen prägen

Ich habe schon beobachtet, wie in einem Kreativ-Meeting in Deutschland Erfahrungen eines (kleinen) Shitstorms einer anderen (kleinen) Abteilung des Unternehmens in einem anderen (kleinen) Land eine Rolle gespielt haben.

Das ist der wahre Impact von Shitstorms.

An dieser Stelle sei auch noch mal auf die Arbeit von Chris und die hoffentlich bald erscheinende Dissertation von Christian Salzborn, sowie den dazugehörigen Blog verwiesen. Das Thema Shitstorms ist gekommen, um zu bleiben. Mal schauen, was wir in drei Jahren darüber denken. Plus: Ich freue mich auf eure Meinungen dazu!

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Falk Ebert

Die Stärken von Direct Mail

Photo by vpickering (flickr)

Photo by vpickering (flickr)

Ich bin ein großer Fan von digitaler Werbung. Die Möglichkeiten sind vielfältig, die Reichweite bei gleichem Budget weit höher als bei offline Werbung und die Messbarkeit ist enorm hoch. Und da gibt es viele verschiedene Werbeformen, die mir persönlich sehr gefallen: Newsletter, Facebook Anzeigen, Squeeze Pages, etc.

Bei allem Lob der digitalen Werbung kommt Print allerdings oft zu kurz. Denn obwohl ich das meiste gedruckte Wort für Werbung nur noch bedingt geeignet halte, gibt es Einsatzmöglichkeiten, die ich nach wie vor großartig finde.

So zum Beispiel Direct Mail. Wer eine starke, nicht semi-legal zusammengekaufte, Adressdatenbank hat, kann von dieser Werbeform enorm profitieren. Man erreicht eine Zielgruppe mit der man im Idealfall schon Vorkontakt hatte. Quasi wie bei einem Newsletter.

Das Hauptproblem von Newslettern ist aber, dass sie oft gar nicht erst geöffnet werden. Löschen ist schlichtweg zu einfach und bequem. Beim Direct Mail hat der Empfänger den Brief bzw. das Mailing aber mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit in der Hand. In meinen Augen kommt allein das “in die Hand nehmen” dem Öffnen des Newsletters gleich. In diesem Moment findet nämlich die Entscheidung statt, ob es weggeworfen wird oder gelesen wird.

Im Gegensatz zum Newsletter hat der Werber hier aber mehr Einfluss auf dieses Entscheidung. Denn statt einer plumpen Textzeile, kann er die Haptik, die Optik sowie das Format des Mailings kontrollieren und damit ins Auge stechen oder neugierig machen.

Laut Zahlen vom August 2013 haben Newsletter im Durchschnitt eine Öffnungsrate von ca. 10%, die von vielen Faktoren abhängig ist. Für Mailings gibt es natürlich keine akuraten Zahlen, aber ausgehend von meinem Bekanntenkreis nehme ich an, dass mehr als jeder zehnte Empfänger das Teil liest (bzw. zumindest hineinschaut). Man muss schließlich beachten, dass Direct Mail nicht als Werbung zählt, da es adressiert ist. Es geht also in jeden Briefkasten der anvisiert wird und bleibt nicht am “keine Reklame einwerfen” Kleber hängen.

Die Chancen, die Zielperson tatsächlich zu erreichen sind damit signifikant höher. Bei ausreichend hohen Gewinnmargen des beworbenen Produkts, können die wenigen Prozent Unterschied in dieser Rate einen enormen Unterschied machen und die Kosten des Direct Mail schnell aufwiegen.

Immerhin kommen auch bei einem Newsletter die Kosten für die Erstellung sowie den Versand auf. Diese sind zwar geringer, aber dennoch nicht zu unterschätzen. Ein Mailing ist bei hoher Auflage oftmals kostengünstiger umzusetzen als man denken würde. Selbst in Sonderformaten oder mit drucktechnischem “Schnickschack”.

Ich bin nach wie vor kein Printler, aber bei aller Fairness muss ich der Werbeform Direct Mail ihre Berechtigung einräumen. Genauso wie TV für Markenbildung nach wie vor das Leadmedium ist.


Christian Faller

SEO für Redaktionen: Tipps für den Redakteur

SEO Tipps

Wie schon vor einigen Wochen (damals zum Thema Social Media Marketing), gibt es heute nochmal einen Gastbeitrag von Conrad S. Conrad. Conrad berät und unterstützt eine Anwaltskanzlei aus Hamburg seit über vier Jahren in Sachen SEO und hat das 1. Jur. Staatsexamen mit Schwerpunkt Medienrecht. Seit ich ihn vor vielen Jahren kennengelernt habe, arbeitete er bei zahlreichen großen Onlineportalen aktiv mit und weiß wie das Socialweb tickt. Heute berichtet er, wie sich das Thema SEO auf die redaktionelle Arbeit auswirkt und was man beachten sollte.

Der Online-Redakteur hat es nicht leicht. Er muss ständigen technischen und optischen Entwicklungen hinterherlaufen. Analog sind die Anforderungen an Aktualität und Qualität der Beiträge in den letzten Jahren gestiegen. Dazu kommt: Seit 2-3 Jahren spielen angesichts des gestiegenen Wettbewerbs im Internet auch Faktoren wie die Suchmaschinenoptimierung (SEO) eine bedeutende Rolle, die die Redaktionsarbeit wesentlich beeinflussen und erschweren.

SEO setzt an vielen Stellschrauben einer Webseite an und wirkt sowohl auf Onpage-Optimierung als auch Offpage-Optimierungen ein. Ferner befindet sich SEO im ständigen Fokus der Suchmaschinen, allen voran Google, die regelmäßige Updates und Änderungen am Algorithmus und Aufbau der Ergebnislisten vornehmen. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen beiden Seiten, in welchem selbst eine Momentaufnahme von Positionen im Ranking täglich variiert.

Mit zunehmender und breitgefächerter Umsetzung von SEO, wird vor allem auch der Content einer Webseite immer mehr zum SEO-Instrument. „Content is king“ lautet eine längst übliche Marschroute im SEO-Handbuch und SEO-Guide. Es liegt daher auf der Hand, dass Redakteure und Blogger nicht um eine SEO-Schulung oder zumindest eine kleine SEO-Einführung herumkommen, möchte der Betreiber der Webseite im Netz gut auffindbar sein.

5 Minuten für die perfekte SEO-Überschrift

Es stellen sich dem Redakteur bereits erste Fragen, bevor überhaupt ein einziger Satz in das Textprogramm eingetippt wird. Neben der Recherche und Themenauswahl ist es keine Seltenheit, dass Überlegungen bezüglich der Keywords zum Thema eine ähnlich hohe Bedeutung zugemessen wird wie der Überschrift (und Unter-Überschrift). Der Entwurf einer aus SEO-Gesichtspunkten optimalen Überschrift kann häufig 5 Minuten beanspruchen. Für die Auswahl der relevanten Keywords kann noch mehr Zeit verstreichen.

Daran schließen sich weitere Kriterien an, wie die Wahl von themenrelevantem Bildmaterial und das Suchen von Links zu inhaltsgleichen Quellen und Internetseiten hoher Domain-Authority und interner Links zu eigenen News aus dem Archiv oder Content. Ein guter Aufbau des Beitrags mit einem Einleitungsteil, einem Hauptteil bestehend aus mehreren Zwischenüberschriften und einer kleinen Zusammenfassung runden die gesamte Arbeit ab. Auch die Einhaltung journalistischer Standards ist ebenso wie der ausgewogene Umgang mit Formatierungen und Layout angemahnt. Der letzte Feinschliff sind spätere Updates bzw. nachträgliche Aktualisierungen im Text, die einen fortlaufenden Prozess suggerieren.

Die Details geben den Ausschlag

Neben den genannten und grundlegenden SEO-Faktoren existieren zahlreiche Details und Einstellungsmöglichkeiten, die oftmals den Unterschied zwischen einer Position unter den ersten 5 Links und der Seite 3 in der Ergebnisliste von Google und Co. ausmachen können. Einige Faktoren seien hier – natürlich nicht abschließend – genannt:

  • Was sind die wichtigsten Keywords? Testen Sie anhand des Google Adwords Keywordstool die Häufigkeit der sich aufdrängenden Begriffe.
  • Die 2-3 wichtigsten Keywords sollten bei Beachtung der Keyworddichte bei ca. 1-3 Prozent liegen und angemessen verteilt werden.
  • Sprechen Sie die Sprache der Nutzer: Schreiben Sie „Auto“ statt „Kraftfahrzeug“ und „Handy“ statt „Mobiltelefon“ und „Jupp Heynckes“ anstelle „Josef Heynckes“.
  • Der Text sollte sich an den Leser richten z.B. Fragen aufwerfen und Antworten liefern bzw. Hilfestellung leisten.
  • Die Überschrift sollte die 2 wichtigsten Keywords an vorderster Position beinhalten und den Leser ansprechen oder gar Vorteile versprechen („10 kostenlose Tipps“ oder „So werden sie noch schneller“).
  • Unter-Überschriften oder Einleitungssatz sollten ebenfalls die wichtigsten Keywords besitzen.
  • Zwischenüberschriften dienen der Übersicht und Lesbarkeit, dürfen aber auch Keywords enthalten.
  • Verknüpfen Sie den Content: Ausgehende Links zu themenrelevanten Inhalten von bekannten Seiten (z.B. Wiki oder großen Newsportalen) eigenen sich ebenso gut wie auch interne Verlinkungen auf ähnliche News oder vorhandenem Content.
  • Links sind auf den Text des Beitrags mit den passenden Keywords/Wörtern zu legen und nicht auf spezielle Link-Wörter wie „Link“ oder „hier klicken“.
  • Links sollten im Title-Tag einen aussagekräftigen und den Inhalt beschreibenden Titel enthalten und nicht den Namen der Seite oder Überschrift.
  • Themenrelevante Grafiken (Infografiken) mit Bildunterschriften und Quellangabe dürfen nicht fehlen. Auch hier sollte der Name der Grafik (Grafiklink) ein wichtiges Keyword aufweisen (handy_defekt.jpg statt 2354sd45.jpg)
  • Zitate sind als solche kenntlich gemacht (z.B. die „blockquote cite=..“-Funktion) und dürften nicht mehr als 30 bis 50% des Inhalts ausmachen.
  • Duplicate Content (Zitate) sind wie auch Rechtschreibfehler zu vermeiden.
  • Eine abschließende Zusammenfassung darf nicht fehlen.
  • Ähnlich wie die Keywords sollte auch mit zum Beitrag passenden Tags gearbeitet werden. Es sollten jedoch nicht mehr als 5 pro Text sein und mit ähnlicher Auswahl vorgegangen werden, wie hinsichtlich der Keywords.
  • Haltet den Artikel frisch und up-to-date – scheut euch nicht vor spätere Updates oder Erweiterungen.
  • Optional: Snippet & Description sind individuell zu bestimmen und müssen die wichtigsten Keywords enthalten sowie den Inhalt knackig beschreiben.
  • Optional: Seitentitel und sprechende URLs müssen individuell angepasst werden und Keywords an vorderer Stelle besitzen.

Mag auf dem ersten Blick der Eindruck entstehen, als würden diese SEO-Tipps die Redaktionsarbeit einschränken. Schnell wird sich herausstellen, wie die Lesbarkeit und Zuwachs an Besuchern gesteigert und auch ein positives Feedback der Leser und oder in Kommentaren erfolgen werden.

Über den Autor des Gastartikels:
Conrad S. Conrad besitzt das Erste Juristische Staatsexamen und engagiert sich seit über 10 Jahren im Internet bei diversen Online-Angeboten. Erreichbar ist er bei Fragen per E-Mail.

99% der Werber haben keine Ahnung wovon sie sprechen, wenn sie über Big Data reden

Hype Zyklus zu Big Data

Zum Glück flaut das Dauerthema Big Data im Social Web und der Presse gerade etwas ab. Warum zum Glück? Nicht, weil ich Big Data für langweilig, überflüssig oder überschätzt halten würde. Ich sage zum Glück, weil ich das repetitive Gelaber mancher Autoren dazu nicht mehr ertrage.

Was Big Data wirklich ist

Nehmen wir mal den Einstieg der englischen Wikipedia:

Big data is the term for a collection of data sets so large and complex that it becomes difficult to process using on-hand database management tools or traditional data processing applications. The challenges include capture, curation, storage, search, sharing, transfer, analysis, and visualization. The trend to larger data sets is due to the additional information derivable from analysis of a single large set of related data, as compared to separate smaller sets with the same total amount of data, allowing correlations to be found […].

Ganz ehrlich: Es gibt wohl keine Werbeagentur in Deutschland, die nach dieser Definition Big Data betreibt.

Landläufig übersetzt bedeutet die Definition “alles, was nicht mehr in eine Excel-Tabelle passt” – doch die Mehrzahl der Werber verschmäht schon Excel-Tabellen. Für Big Data braucht man starke Software-Lösungen wie das Hadoop framework – in vielen Agenturen gibt es nicht mal eine SPSS-Lizenz. Und auch bei den meisten Unternehmen, die Werbeagenturen beauftragen, fehlt schlichtweg die Begeisterung für Daten. Monatliche grobe Marktdaten, ein paar Kennzahlen von Online-Kampagnen, fragwürdige Zielgruppen-Analysen und die Pageviews der Website sind nicht selten die einzigen Zahlen, mit denen Marketingentscheider sich auseinandersetzen.

Darüber reden geht trotzdem

Das hat die Branche allerdings nicht davon abgehalten, zum Thema zu publizieren. Der typische Big-Data-Artikel oder -Vortrag:

  1. Hinweis auf das Petabyte-Zeitalter mit Metaphern für die astronomischen Datenmengen unserer Zeit
  2. Eventuell Querverweise auf das Thema Quantified Self mit Jogging-Apps
  3. Der Hinweis darauf, dass diese Daten total wichtig für das Marketing sind
  4. Die Anekdote des Targeting-Coup von Target
  5. Der Imperativ, sich doch gefälligst damit auseinanderzusetzen

Welche konkreten Schritte dafür notwendig sind, welche Kosten welchem Nutzen gegenüberstehen und wo der Markt für entsprechende Anwendungen gerade erschlossen wird – Fehlanzeige. Schön auch die Horizont, die das Thema unter der Betrachtungsweise “Big Data. Big Brother?” verfehlt hat.

Der traurige Tiefpunkt war ein Artikel der W&V aus der Serie zu Social Media Tools unter dem Titel “Mit welchen Werkzeugen Big Data gebündelt werden kann”. Im Artikel haben Marketeers über die Page Insights von Facebookseiten und die Statistik-Bordmittel von WordPress geplaudert. Ja, wirklich.

Small Data

Dabei können kleinere, strukturierte Datensätze auch hilfreich sein. Für Data-Driven Insights, für die Effizienzmessung von Kampagnen, für das ongoing Monitoring des Web. Dafür braucht es keine Giganto-Server. Ein schneller Laptop, ein paar Zeilen Code und kostenlose Software reichen für den Start schon aus. Wer daran interessiert ist, findet vielleicht einen Einstieg in dem Artikel, den ich für die Strategy Corner der lead geschrieben habe.

Was man allerdings nicht haben sollte, ist Daten-Allergie.

Nach dem Hype

Nach dem Hype kommt normalerweise das Plateau der Produktivität. Bei Social Media war das der Übergang von “omg, wir haben noch keinen Facebook-Account!” hin zu “ähm, was machen wir jetzt damit?”.  Bei Big Data wird für viele Werbeagenturen nach dem Hype lediglich ein anderer Hype kommen.

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Falk Ebert

Bringt es etwas, Facebook Fans zu kaufen?

Facebook Fans

Ganz häufig fragen mich Leute ob es Sinn macht Facebook Fans zu kaufen. Gelegentlich verlangen es Kunden sogar förmlich von uns. Dabei lautet meine dringende Empfehlung eigentlich immer gleich: Tut es nicht.

Warum? Die Frage kann sich eigentlich jeder selbst beantworten, der sich vorher überlegt hat, ob er es tun soll oder nicht. Schließlich muss es einen Grund geben, warum man die Fans haben möchte. Nun, nennt mir mal einen guten Grund….

Ja, genau, es gibt keinen. Wo wir auch schon beim ersten Grund wären, warum man es nicht tun sollte:

1. Es bringt nichts

Facebook Fans zu kaufen macht ungefähr soviel Sinn, wie die Besucherzahlen auf der Homepage zu fälschen (falls es irgendwo noch einen Counter gäbe). Ein falscher Fan – also einer, der rein gekauft wurden und der nur ein Fake Account ist – bring rein gar nichts. Ganz im Gegenteil sogar: Er interagiert nicht und schadet damit sogar noch dem Edge-Rank! Wer jetzt sagt: Aber es ist doch super wenn jemand auf die Seite kommt und sieht, dass die Seite viele Fans hat. Ja, vielleicht, aber Falk hat schon dargelegt, dass nur 0,1-0,5% aller Fans überhaupt jemals auf die Seite draufschauen. Achja, und ein gekaufter Fan, der kauft natürlich auch keine Produkte. Finanziell lohnt er sich also weder direkt noch indirekt.

2. Es kostet Geld

Dafür soll man dann auch noch Geld bezahlen. Geld, das bei echten Kunden viel besser aufgehoben wäre. Zum Beispiel mit einer Investition in besseren Kundenservice, in das Produkt selbst, in eine gute App, die ECHTE Fans anzieht oder oder oder.

3. Man sieht es der Seite sofort an

Das Schlimme ist dann obendrein auch noch, dass man einer Seite, die gekaufte Fans hat, meist sofort ansieht, worum es sich da handelt. So findet man bei vielen deutschen Seiten dann etwa tonnenweiße indische Fans mit komischen Namen. Außerdem muss ich mich unwillkürlich wundern, warum ein Posting einer Seite mit 10.000 Fans nur 2 Likes bekommt. Irgendetwas kann da nicht stimmen. Entweder ist der Inhalt extrem schlecht – was der Marke auch nicht gerade gut tut – oder die Leute sind keine richtigen Personen.

4. Es hat Shitstorm-Potenzial

Diese Offensichtlichkeit birgt dann gleichzeitig ein großes Shitstorm Potenzial, denn echte Fans oder zumindest potentielle Interessenten finden es meistens weniger prall, wenn ein Unternehmen sich in solchen legalen Grauzonen bewegt und seine Kunden für dumm verkaufen möchte. Im Falle eines solchen Shitstorms beweisen Unternehmen, die zuvor erst Fans gekauft hatten, dann natürlich leider auch nicht das gewisse Händchen um eine prekäre Social Media Situation zu entschärfen. Schließlich haben sie bereits eindrucksvoll demonstriert, dass sie die sozialen Medien nicht wirklich verstanden haben.


Christian Faller


Die Autoren

Christian Faller Falk Ebert

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