Wir Menschen denken gerne in Schwarz-Weiß. Dahinter steckt unter anderem der Bestätigungsfehler (aka confirmation bias). Das reicht mir als Grund, alle brennenden Digital-Themen mal aus einer differenzierten Nein-Aber-Sichtweise zu beleuchten. Immer schön kritisch bleiben!

Nein, Facebook verkauft keine Daten
Daten verkaufen ist schlichtweg nicht ihr Geschäftsmodell. Sie verkaufen Aufmerksamkeit. Habe ich hier ausgiebig erklärt.
Aber:
Es gibt dennoch zahlreiche Gründe, mit Daten auf Facebook sparsam umzugehen. Facebook ist meilenweit davon entfernt, eine transparente Firma zu sein. Und sie stehen seit dem IPO unter massivem Erfolgszwang.
Nein, Computer machen nicht dumm
Der Kreuzzug, der Manfred Spitzer gerade durch Talkshows von login bis Jauch führt lässt mich staunen. Seine Thesen sind so populistisch, dass ich gar nicht erst darauf eingehen möchte. Haben auch kompetentere Leute als ich bereits ausführlich gemacht.
Aber:
In einem Punkt gebe ich ihm Recht: Die Sucht-Gefahr von MMOs bei Jugendlichen wird immer noch unterschätzt.
Nein, Apple ist nicht nur Lifestyle-Religion
Von den Gegnern aus dem PC/Google-Lager wird Apple gern als fantastischer Werbe-Coup beschrieben. Das greift schlichtweg zu kurz. Das User Experience eines Apple-Geräts ist etwas ganz besonderes. Darf ich daran erinnern, wie viele “iPhone-Killer” es gebraucht hat, bis es tatsächlich Smartphones gab, die ähnlich gut zu bedienen waren? Der Erfolg von Apple liegt nicht in guter Werbung.
Aber:
Genau deshalb kann Apple die Geräte auch völlig überteuert verkaufen. Was bei Smartphones vor wenigen Jahren mangels Alternativen noch verständlich war, ist bei Laptops und Desktop-Rechnern kaum hinzunehmen.
Nein, der App-Store ist nicht cool
Ein anders Thema ist die App-Economy, die derzeit von Mobile auf OSX portiert werden soll. “App” ist das Kurzwort für Application und damit nichts anderes als ein Anwendungsprogramm. Früher hat man die noch überall frei herunterladen und installieren können. Heute benötigt jede App grünes Licht von Apple und Entwickler müssen 30% ihrer Einnahmen abdrücken.
Aber:
So kritikwürdig diese Zensur im walled-garden auch ist – sie löst auf einen Schlag alle Probleme, die nicht-digital-natives mit Computerprogrammen bislang hatten: Malware, komplizierte Installation/Deinstallation, Kompatibilitätsprobleme. Und der Appstore hat es wieder leichter gemacht, gute Software zu monetarisieren.
Nein, wir können das Urheberrecht nicht einfach abschaffen
Unsere Gesellschaft und Wirtschaft ist schlicht noch nicht weit genug, auf Urheberrechte komplett zu verzichten. Ich persönlich bewerte diesen Vorschlag als Extremposition, die Schwung in die Debatte bringen soll.
Aber:
Es ist einfach nicht hinnehmbar, wie inkompatibel unser Urheberrecht mit dem Medien-Alltag im Jahr 2012 ist. Es gibt keinen Jugendlichen, der sich noch nicht illegal Musik, Kinofilme oder Pornos besorgt hat. Es gibt keinen Nutzer von Sozialen Netzwerken, der noch keine (fahrlässige) Urheberrechtsverletzung begangen hat.
Die Posse um die Website von Siegfried Kauder entlarvt die inkompetente und lobby-getriebene Praxis, die immer noch die Netzpolitik in Deutschland dominiert. Das kann so nicht weitergehen.
Nächsten Montag fünf neue Nein-Aber-Beiträge. Unter anderem zum Thema post privacy und dem Ende der klassischen Werbung.
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Falk Ebert